Bei großen Konsolenspielen scheint die PS5 gegenüber der Xbox Series X|S klar im Vorteil zu sein. Der Branchenjournalist Christopher Dring von The Game Business erklärte auf Basis weltweiter Verkaufsdaten, dass neue AAA-Einzelspieler-Spiele zum Launch üblicherweise rund 75 bis 80 Prozent ihres Konsolenumsatzes auf PlayStation erzielen. Bei Online-Multiplayer-Spielen falle der Abstand oft geringer aus. 

Das ist keine offizielle Sony-Zahl und auch keine pauschale Regel für jedes Spiel. Trotzdem ist die Größenordnung bemerkenswert. Sie zeigt, dass PlayStation bei Premium-Singleplayer-Spielen offenbar weiterhin die deutlich stärkere Plattform ist.

Mehr Konsolen, mehr Käufer

Ein naheliegender Grund ist die installierte Basis. Sony hat deutlich mehr PS5-Konsolen verkauft beziehungsweise ausgeliefert als Microsoft Xbox-Series-Geräte. Play3 verweist auf mehr als 93,7 Millionen ausgelieferte PS5-Systeme, während die Xbox Series X|S grob bei 35 bis 40 Millionen liegen könnte. Microsoft veröffentlicht keine offiziellen aktuellen Hardwarezahlen. 

Mehr Konsolen bedeuten nicht automatisch mehr Spielverkäufe, aber sie helfen enorm. Wenn mehr Spieler eine PS5 besitzen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass große Blockbuster dort auch mehr Käufer finden.

Dazu kommt: Die PlayStation-Marke steht seit Jahren stark für große Singleplayer-Spiele. God of WarThe Last of UsGhost of TsushimaSpider-ManHorizon und ähnliche Marken haben Sony ein klares Image gegeben. Wer solche Spiele liebt, landet oft ohnehin bei PlayStation.

Der Game Pass verändert Xbox-Kaufverhalten

Bei Xbox sieht die Lage anders aus. Microsoft hat seine Strategie stark um den Xbox Game Pass gebaut. Das kann für Spieler attraktiv sein, verändert aber auch Erwartungen. Wer gewohnt ist, viele Spiele über ein Abo zu bekommen, kauft Vollpreisspiele möglicherweise seltener oder wartet länger.

Das heißt nicht, dass Xbox-Spieler keine Spiele kaufen. Aber bei großen 80-Euro-Premiumtiteln könnte das Kaufverhalten anders aussehen als auf PlayStation. Genau das wird bei Spielen wie GTA VI spannend, weil Rockstars Mega-Release nicht einfach zum Start im Game Pass landen dürfte.

GTA VI macht die Plattformfrage sichtbar

Auslöser der aktuellen Debatte waren Berichte über angebliche Vorbestellungsdaten zu GTA VI. IGN soll auf Basis eigener Affiliate-Daten von einem Verhältnis von 8:1 zugunsten der PS5-Version berichtet haben. Microsoft widersprach dieser Darstellung laut Play3. Drings Einschätzung deutet darauf hin, dass das Verhältnis niedriger sein könnte, aber dennoch klar zugunsten von PlayStation ausfallen dürfte. 

Wichtig ist: Vorbestellungen sind keine finalen Verkaufszahlen. Außerdem können Affiliate-Daten stark verzerrt sein, weil sie nur einen Ausschnitt des Marktes zeigen. Trotzdem passt die Richtung zu dem größeren Bild: Große Einzelspieler-Blockbuster laufen auf PlayStation oft deutlich stärker.

Für Sony ist das ein riesiger Vorteil. GTA VI ist zwar kein First-Party-Spiel, aber wenn ein Großteil der Käufer zur PS5-Version greift, profitiert Sony trotzdem enorm von Marketing, Store-Umsätzen und Hardware-Nachfrage.

Xbox hat ein Premium-Problem

Für Microsoft ist die Situation schwieriger. Xbox ist nicht nur eine Konsole, sondern inzwischen ein ganzes Ökosystem aus Xbox, PC, Cloud und Game Pass. Strategisch kann das sinnvoll sein. Doch wenn Premium-Konsolenspiele auf der eigenen Hardware schwächer laufen, verliert Xbox im klassischen Konsolenvergleich an Gewicht.

Das betrifft auch Third-Party-Publisher. Wenn sich große Singleplayer-Spiele auf PS5 deutlich besser verkaufen, werden Marketing-Deals, Sondereditionen, Bundles und Werbebudgets eher Richtung PlayStation wandern. Dadurch verstärkt sich der Effekt weiter.

Xbox kann das teilweise mit Game Pass, PC-Reichweite und eigenen Studios ausgleichen. Aber bei klassischen Vollpreis-Blockbustern bleibt die PS5 offenbar die stärkere Bühne.

Sony gewinnt nicht überall, aber in diesem Bereich klar

Natürlich ist PlayStation nicht in jedem Segment überlegen. Bei Abo-Modellen, PC-Strategie, Cloud und bestimmten Multiplayer-Zielgruppen hat Microsoft eigene Stärken. Auch einzelne Spiele können auf Xbox gut laufen, vor allem wenn sie stark in Microsofts Ökosystem eingebunden sind.

Bei großen erzählerischen Premiumspielen sieht das Bild aber anders aus. Dort hat Sony offenbar nicht nur mehr Hardware im Markt, sondern auch die passendere Zielgruppe.

GTA VI könnte diesen Unterschied besonders sichtbar machen. Rockstars Spiel wird auf beiden Plattformen riesig. Aber wenn die PS5-Version tatsächlich deutlich vorne liegt, wäre das kein Zufall – sondern ein Symptom dafür, wie unterschiedlich PlayStation und Xbox inzwischen wahrgenommen werden.