Shawn Layden versteht Sonys PC-Kurs nicht
Shawn Layden (ehemaliger Chef der PlayStation Studios und früherer Sony-Manager) wundert sich über Sonys angeblichen Rückzug bei großen PC-Veröffentlichungen. In einem neuen Interview verteidigte er die frühere Entscheidung, PlayStation-Marken auf den PC zu bringen, und erklärte, dass es dabei nicht nur um zusätzliche Verkäufe gegangen sei.
Laydens Argument: Ein PC-Port nach einiger Zeit nimmt der PlayStation-Konsole nicht automatisch Käufer weg. Wer ein PlayStation-Spiel erst Jahre später auf PC spielt, hätte sich dafür wahrscheinlich ohnehin keine Konsole gekauft. Stattdessen erreiche Sony neue Spieler, mache Marken bekannter und erhöhe die Chance, dass diese Marken auch außerhalb von Spielen wachsen.
PC-Ports waren für Sony lange ein gutes Zusatzgeschäft
Sony hatte in den vergangenen Jahren mehrere große PlayStation-Marken auf PC gebracht, darunter etwa God of War, Horizon, Spider-Man und The Last of Us. Die Strategie wirkte lange logisch: Erst verkauft Sony seine Exklusivtitel auf Konsole, später verdienen die Spiele auf PC ein zweites Mal Geld.
Laut PC Gamer hatten frühere Sony-Verantwortliche PC-Veröffentlichungen sogar als extrem lukrativ beschrieben. Genau deshalb wirkt ein möglicher Rückzug nun so überraschend. Wenn PC-Versionen Geld bringen, Marken stärken und Konsolenverkäufe kaum gefährden, stellt sich die Frage, warum Sony ausgerechnet jetzt zurückhaltender werden sollte.
Sony will Marken groß machen – aber weniger PC?
Der Widerspruch liegt auf der Hand. Sony baut viele PlayStation-Marken längst multimedial aus. The Last of Us wurde zur HBO-Serie, God of War, Horizon und andere Marken sind ebenfalls über das klassische Konsolenspiel hinaus interessant. Layden argumentiert sinngemäß: Wer seine Marken größer machen will, sollte sie nicht künstlich klein halten.
PC-Ports können genau dabei helfen. Sie erreichen Spieler, die keine PlayStation besitzen, aber später vielleicht eine Serie schauen, Merch kaufen oder beim nächsten großen Release doch stärker auf die Marke achten. Aus dieser Sicht ist der PC nicht der Feind der Konsole, sondern ein zusätzlicher Kanal.
Xbox steht ebenfalls unter Druck
Spannend ist, dass Layden zuletzt nicht nur Sony, sondern auch Microsofts Xbox-Strategie kritisch kommentiert hatte. Er warf Xbox sinngemäß grundlegende Missverständnisse der Branche vor, unter anderem wegen unklarer Botschaften, Strategiewechseln und Berichten über Einschnitte.
Damit kritisiert Layden gerade beide großen Konsolenhersteller: Xbox wegen Identitätsproblemen, Sony wegen möglicher Zurückhaltung auf PC. Für Spieler zeigt das, wie stark sich die Plattformstrategien gerade verschieben. Konsolen, PC, Cloud, Abos und Exklusivität werden neu austariert.
Sony muss den PC besser erklären
Für Sony ist das Thema heikel. Einerseits soll die PlayStation-Konsole attraktiv bleiben. Andererseits ist der PC-Markt riesig und wächst weiter. Wenn Sony dort weniger präsent ist, überlässt man anderen Publishern und Microsoft mehr Raum.
Ein kompletter Rückzug ist aktuell nicht bestätigt. Aber Laydens Kritik trifft einen wunden Punkt: Sony muss erklären, welchen Platz PC-Versionen künftig haben. Kommen große PlayStation-Spiele weiter nach einer gewissen Wartezeit? Werden nur kleinere Titel portiert? Oder werden PC-Spieler künftig wieder stärker außen vor gelassen?
Für Fans wäre eine klare Linie wichtig. Denn gerade Sonys PC-Strategie hatte zuletzt gezeigt, wie wertvoll alte Exklusivtitel auf einer neuen Plattform sein können.
Foto: Gamelab / Wikimedia Commons / Public Domain
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